Wissenschaftliche Begleituntersuchung durch das Institut für Geographie der Universität Münster
Der Struktur- und Funktionswandel der Landwirtschaft in den ländlichen Gebieten der Euregio Rhein-Waal ist auf beiden Seiten Grenze festzustellen. Auch wenn sich die Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten in den niederländischen und deutschen Teilgebieten unterschiedlich entwickelt hat, gehören Leerstand und unterwertige Nutzung landwirtschaftlicher Gebäude zu den offensichtlichen Zeichen dieses Strukturwandels. Sie sind gleichzeitig auch ein Anzeichen dafür, dass sich die ländlichen Räume generell verändern. Diese Veränderungsprozesse vollziehen sich auf beiden Seiten der Grenze mit unterschiedlicher Geschwindigkeit und werden z. B. durch Wirtschaft, Politik und Gesellschaft mit ihren unterschiedlichen Impulsen vorangetrieben. Die Kommunen der Euregio Rhein-Waal haben es also nicht nur mit sozio-ökonomische Veränderungen zu tun, die einzelne Bauernhöfe betreffen. Es entstehen auch Folgewirkungen für die Dorfentwicklung, die Kulturlandschaft und für die Identifikation mit der Region. Für die Zukunft müssen neue Möglichkeiten und Verwendungen für nicht mehr genutzte landwirtschaftliche Gebäude zu finden und diese so als Merkmalsträger und Identifikationspunkte in der Euregio Rhein-Waal zu erhalten. Neben der Gebäudesubstanz selber spielen Faktoren wie Lage und Erreichbarkeit, Bevölkerungs- und Gemeindeentwicklung sowie Branchenstruktur und Arbeitsmarkt für die lokalen und regionalen Bedingungen von Angebot- und Nachfrage eine entscheidende Rolle. Augenblicklich jedoch unterscheiden sich die Wahrnehmung und der Umgang mit leerstehenden Gebäuden in beiden Ländern sowohl auf kommunaler als auch regionaler Ebene.
Unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Ulrike Grabski-Kieron (Arbeitsgebietes Orts-, Regional- und Landesentwicklung/Raumplanung) werden bisherige Forschungen im Bereich der umnutzungsbezogenen Raumtypisierung und Potenzialanalyse auf die lokale und kleinregionale Ebene übertragen. In dem mit der Landwirtschaftskammer NRW und der LTO Noord Projecten in Kooperation bis Mitte 2008 durchgeführten Projekt haben das Institut für Geographie (Prof. Dr. Grabski-Kieron und Dipl.-Geogr. Andreas Henseler) und Dr. Frank Bröckling (planinvent - Büro für räumliche Planung) unter Mitarbeit der Universität Nijmegen zunächst eine Abgrenzung von verschiedenen Typen ländlicher Räume in der Euregio Rhein-Waal vorgenommen. Innerhalb des Projektes soll deutlich werden, dass die regionale Entwicklung in der Euregio sich auch über die Grenze hinweg fortsetzen und so eine stärkere Wirkung entfalten könnte und sollte. Die verschiedenen Aspekte und das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage werden hierzu in den sechs Beispielgemeinden Sonsbeck, Beuningen, Wijchen, Issum, Goch und Montferland untersucht.
Die Zusammenfassung der Ergebnisse können im Rahmen der Schriftenreihe "Arbeitsberichte", Heft 39, der Arbeitsgemeinschaft Angewandte Geographie Münster, Schlossplatz 4, 48149 Münster, Fax. 0251/83 30025, e-Mail
Ulrike Grabski-Kieron, Andreas Henseler, Dr. Frank Bröckling (2008): Nutzen statt Abreißen, Ergebnisse und Handlungsempfehlungen aus der Begleitforschung zum INTERREG IIIa Projekt der Euregio Rhein-Waal
oder zum Download hier